Wer einmal einen Tag in den Zillertaler Bergen unterwegs war, weiß: Frische Bergluft macht hungrig. Und genau dann gibt es kaum etwas Schöneres als eine echte Zillertaler Marend. Für mich gehört sie einfach zum Sommer in den Bergen dazu.
Doch eine Marend ist viel mehr als nur eine Jause. Sie erzählt ein Stück Tiroler Geschichte und steht für das, was unser Leben hier seit Generationen prägt: Ehrliche Lebensmittel, Regionalität und das Bewusstsein, aus einfachen Zutaten etwas ganz Besonderes zu machen.
Was bedeutet eigentlich „Marend”?
Das Wort Marend stammt aus dem Alpenraum und bezeichnet die herzhafte Nachmittagsjause. Früher war sie ein wichtiger Bestandteil des bäuerlichen Alltags. Nach der oft anstrengenden Arbeit auf Feld, Alm oder im Stall stärkten sich die Menschen mit dem, was der Hof und die Region hergaben.
Das Wort klingt zwar urtypisch tirolerisch, hat seine Wurzeln jedoch im Lateinischen. Das zeigt den historischen Einfluss des römischen und rätoromanischen Kulturraums auf die Alpentäler:
🔸Lateinischer Ursprung: Das Wort leitet sich vom spätlateinischen Begriff „merenda“ ab, was so viel wie „Vesperbrot“ oder „Nachmittagsmahlzeit“ bedeutet.
🔸Der tiefere Sinn: Merenda wiederum stammt vom lateinischen Verb „merēre“ (verdienen) ab. Wörtlich übersetzt bedeutet die Marend also „das, was man sich verdient hat“ – im übertragenen Sinne die wohlverdiente Pause nach harter Arbeit.
Über das Italienische (merenda) und das Rätoromanische (marenda) fand der Begriff Einzug in den Dialekt von Tirol, Südtirol und Vorarlberg, wo er sich zu Marend bzw. Marende einschliff.
Von Notwendigkeit zum Urlaubsgenuss
Ursprünglich war die Marend kein reines Freizeitvergnügen, sondern eine Notwendigkeit für hart arbeitende Bauern, neue Energie für die Feld- und Stallarbeit zu liefern. Früher bestand die bäuerliche Marend oft nur aus einfachen Zutaten wie Kartoffeln, Milch und Brot. Speck und Bergkäse waren kostbare Güter. Wenn wir heute an eine Zillertaler Marend denken, sehen wir frisches Bauernbrot, würzigen Käse aus der Region, feinen Speck, ein paar Radieschen aus dem Garten und vielleicht ein Glas frischer Milch oder einen hausgemachten Holundersaft mit frischem Quellwasser.
Doch seien wir ehrlich: Es braucht gar nicht viel. Gerade diese Einfachheit macht den Genuss aus.
Viele unserer Gäste erzählen mir nach einer Wanderung, dass genau diese kleinen Momente oft die schönsten Erinnerungen an ihren Urlaub sind. Gemeinsam draußen sitzen, die Sonne genießen und regionale Spezialitäten kosten. Das entschleunigt und lässt den Alltag ganz weit weg erscheinen.
Ein Stück Zillertal zum Mitnehmen
Die Zillertaler Marend ist für mich weit mehr als eine Mahlzeit. Sie steht für Gemeinschaft, für Tradition und für den respektvollen Umgang mit den Lebensmitteln, die unsere Heimat hervorbringt.
Vielleicht nimmst du die bei deinem nächsten Urlaub auf dem Breierhof einfach etwas Zeit für genau diesen Genussmoment. Such dir nach einer Wanderung ein sonniges Plätzchen, pack deine Jause aus und lass den Blick über die Berge schweifen...
Manchmal sind es genau diese einfachen Augenblicke, die einem noch lange in Erinnerung bleiben.





